
Logistik kann man optimieren.
Vertrauen nur durch Ehrlichkeit gewinnen.
Es gibt im Versand viele Stellschrauben, die man optimieren kann.
Aber eine Sache ist wichtiger als jede Kennzahl: Ehrlichkeit.
Klingt banal, ist es aber nicht.
Ein Erlebnis, das viele kennen.
Kürzlich habe ich bei einem kleineren Onlinehändler bestellt.
Ein junges Unternehmen, gute Bewertungen, spannende Produkte.
In den Rezensionen stand schon vereinzelt, dass manche Lieferungen etwas länger dauerten, zwei bis drei Wochen waren keine Seltenheit. Ich war also vorgewarnt.
Nach meiner Bestellung passierte jedoch erst einmal… nichts.
Im Tracking stand tagelang: „Sendungsdaten übermittelt“
Das bedeutet: Der Händler hat die Sendung digital angekündigt, mehr nicht.
Nach zwei Wochen ohne Bewegung habe ich freundlich nachgefragt,
wann mein Paket voraussichtlich auf den Weg geht.
Die Antwort:
„Es gibt aktuell Probleme mit DHL.
Das Paket wurde schon übergeben, aber der Status aktualisiert sich nicht.“
Das klang erstmal plausibel.
Nur leider wusste ich, dass es so nicht stimmen kann, denn ich komme aus der Logistik.
Warum solche Aussagen sofort auffallen.
Wenn ein Paket an DHL übergeben wird, passiert Folgendes:
• Der Fahrer scannt die Sendung beim Abholen.
• Im Depot wird sie erneut gescannt.
• Spätestens am nächsten Tag taucht der erste Status auf.
Zwei Wochen ohne einen einzigen Scan? Das ist praktisch ausgeschlossen.
Hier war also nicht DHL das Problem, sondern Überlastung beim Händler.
Ein paar Tage später bestätigte sich das dann auch unfreiwillig:
Im Newsletter kündigte das Unternehmen voller Stolz an, dass sie
„zusätzliche Verpacker eingestellt haben“ und „alle im Büro beim Packen mithelfen“.
Kein Problem, Wachstum ist gut. Überforderung kann passieren.
Nur warum hat man es nicht einfach so gesagt?
Das wahre Problem ist nicht die Verzögerung,
sondern die Ausrede.
Kunden können vieles verzeihen:
• lange Lieferzeiten
• Engpässe
• hohe Nachfrage
• kleine Fehler
Aber eines verzeiht kaum jemand:
wenn man ihnen eine Geschichte erzählt, die nicht stimmt.
So geht Vertrauen verloren.
Nicht wegen des Produkts, sondern wegen der Kommunikation.
Warum Ehrlichkeit langfristig immer gewinnt.
In meinem Fall hätte eine einfache Information gereicht.
Zum Beispiel:
„Wir haben gerade ein sehr hohes Bestellaufkommen.
Es kann 5–10 Tage länger dauern, bis wir versenden.“
Oder ein kleiner Banner im Shop:
„Aufgrund von hoher Nachfrage kommt es aktuell zu Verzögerungen.
Transparent. Ehrlich. Nachvollziehbar.
Stattdessen wurde die Verantwortung auf den Versanddienstleister geschoben
und das wirkt unprofessionell, selbst wenn es gut gemeint war.
Was Händler daraus lernen können.
Versandkommunikation ist kein lästiges Pflichtprogramm.
Sie ist ein Teil der Customer Experience.
Wer hier ehrlich ist, wirkt seriös.
Wer hier lügt, wirkt überfordert.
Und das bleibt im Gedächtnis.
Nicht das Produkt, nicht die Marke, sondern das Gefühl.
In meinem Fall war das Produkt gut.
Aber bei einer Nachbestellung würde ich sofort daran denken, wie die erste Lieferung ablief.
Mein Rat aus der Praxis.
Statt Ausreden:
Ehrlich erklären, was los ist.
Statt Schweigen:
Proaktiv informieren.
Statt „Probleme beim Versanddienstleister“:
„Wir brauchen gerade etwas länger, aber wir kümmern uns.“
Das schafft Vertrauen und Vertrauen ist im Versand am Ende mehr wert als jede schnelle Zustellung.
