
Warum der erste Blick oft der falsche ist.
Beim Containerimport richtet sich der Blick vieler Unternehmen zuerst auf eine Zahl:
den Preis für die Seefracht.
Das ist logisch.
Diese Zahl ist gut vergleichbar, schnell greifbar und taucht ganz oben auf jeder Offerte auf.
Was dabei oft vergessen wird:
Der Seefrachtpreis allein sagt wenig darüber aus, was ein Containerimport am Ende wirklich kostet.
Containerimport ist kein Einzelpreis,
sondern ein Zusammenspiel.
Ein Containerimport, zum Beispiel aus Südamerika, besteht nicht aus einem einzigen Transport, sondern aus einer Kette von Leistungen:
- Containerbereitstellung
- Vorlauf zum Exporthafen
- Seetransport
- Abwicklung im Importhafen
- Verzollung
- Nachlauf ins Inland
Jeder dieser Schritte ist zeitabhängig.
Und Zeit ist im Containerverkehr der größte Kostentreiber.
Was eine Seefracht-Offerte tatsächlich abbildet.
Eine Seefracht-Offerte besteht meist aus mehreren Bausteinen, unter anderem:
- Ocean Freight (reine Seefracht)
- Terminal Handling Charges (THC)
- diverse Zuschläge
- Dokumenten- und Abwicklungsgebühren
- Demurrage und Detention
Gerade der letzte Punkt wird in der Praxis häufig erst dann relevant, wenn es bereits eng wird.
Demurrage & Detention verständlich erklärt.
Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine zeitlich begrenzte Nutzung des Containers:
- Demurrage beschreibt die Zeit, die ein Container nach Ankunft im Hafen
kostenfrei dort stehen darf. - Detention beschreibt die Zeit, in der sich der Container außerhalb des Hafens befinden darf, bevor er an die Reederei zurückgegeben werden muss.
Beide Zeiträume beinhalten sogenannte Free Days.
Nach Ablauf dieser Fristen entstehen Kosten, meist gestaffelt und schnell steigend.
Diese Konditionen unterscheiden sich je nach Reederei, Vertrag und Marktphase deutlich.
Keine einfache Gleichung, aber ein häufiger Denkfehler.
An dieser Stelle ist eine klare Einordnung wichtig:
- Eine günstige Seefracht bedeutet nicht automatisch schlechte Demurrage- und Detention-Bedingungen.
- Eine teurere Seefracht bedeutet nicht automatisch bessere Bedingungen.
Beides ist möglich.
Das eigentliche Problem entsteht dann, wenn sich die Bewertung ausschließlich
auf den Seefrachtpreis konzentriert und die Rahmenbedingungen kaum Beachtung finden.
Nicht der günstige Preis ist das Risiko,
sondern der fehlende Blick auf das Gesamtpaket.
Zeit ist beim Containerimport kein Bonus.
In der Praxis kommt es immer wieder zu Verzögerungen:
- Verzollung dauert länger
- Terminals sind ausgelastet
- Nachlaufkapazitäten fehlen
- Binnenschiffe fallen aus, etwa durch Niedrigwasser
Solche Ereignisse sind nicht außergewöhnlich, sondern Teil der Realität.
Und genau hier entscheidet sich, ob ein Import kalkulierbar bleibt, oder unnötig teuer wird.
Der Nachlauf verstärkt den Effekt.
Nach der Zollfreigabe stehen meist zwei grundsätzliche Optionen zur Verfügung:
Direktlauf per LKW
- schnell
- planbar
- kostenintensiv
Kombinierter Verkehr (z. B. Barge + LKW)
- günstiger
- nachhaltiger
- zeitlich anfälliger
Mit ausreichenden, realistischen Demurrage- und Detention-Bedingungen ist der kombinierte Verkehr oft gut nutzbar.
Mit kurzen Fristen entsteht sofort Zeitdruck.
Und Zeitdruck führt fast immer zu teureren Entscheidungen, unabhängig vom ursprünglich günstigen Frachttarif.
Der praktische Denkansatz aus dem Alltag.
Nicht die günstigste Seefracht entscheidet über einen wirtschaftlichen Import.
Sondern die Flexibilität danach.
Eine Seefracht mit fairen Rahmenbedingungen:
- ausreichend kostenfreien Tagen
- nachvollziehbarer Staffelung
- realistischem Zeitpuffer
ermöglicht:
- günstigeren Nachlauf
- ruhigere Entscheidungen
- bessere Gesamtkalkulation
Unterm Strich kann sie trotz höherem Frachttarif günstiger sein als ein vermeintliches Schnäppchen mit engen Fristen.
Was Importeure nüchtern berücksichtigen sollten.
- Seefracht nie isoliert bewerten
- Demurrage- und Detention-Regelungen vorab prüfen
- Nachlauf immer mitbedenken
- Zeitpuffer als Kostenfaktor einplanen
- Nicht auf perfekte Abläufe hoffen, sondern auf realistische Bedingungen setzen
Am Ende entscheidet nicht der Preis, sondern der Spielraum.
Containerimporte werden selten wegen hoher Seefrachtpreise unwirtschaftlich.
Sie werden teuer, wenn Zeit fehlt.
Wer nur auf den günstigsten Tarif schaut, reduziert seinen Handlungsspielraum.
Wer die Bedingungen mit bewertet, gewinnt Planungssicherheit.
Und genau diese Sicherheit ist im internationalen Versand oft mehr wert
als ein paar hundert Dollar Differenz auf der Offerte.
